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Mitarbeiterbindung als Antwort auf den Fachkräftemangel

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In Zeiten des Fachkräftemangels gewinnt die Mitarbeiterbindung zunehmend an Bedeutung. Eine Vielzahl an Unternehmen sucht händeringend nach Fachkräften, Experten und Spezialisten– national und international. Das Ersetzen eines Mitarbeitenden kann ein Unternehmen bis zum Zweifachen eines Jahresgehalts kosten. Neben den offensichtlichen, direkten Kosten für Kündigungsgespräche, Exit-Interviews, Abfindungen, Stellenausschreibungen, Bewerbungsgespräche, Auswahlverfahren, Vertragsverhandlungen, Administrationsaufwand, Onboarding und Training, sind insbesondere die indirekten Kosten als Kostentreiber zu nennen. Je länger eine Position unbesetzt bleibt, desto höher ist der Produktivitätsverlust, der im Unternehmen entsteht.

Ziel eines jeden Arbeitgebers sollte es daher sein, die Mitarbeiterzufriedenheit sicherzustellen und so seine Beschäftigten langfristig an das Unternehmen zu binden.

Mitarbeiterbindung

Die Gehaltsanpassung ist längst nicht mehr das Allheilmittel zur Bindung von Mitarbeitern. Die angemessene Entlohnung für erbrachte Arbeitsleistung ist zur Grundvoraussetzung geworden. Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung aber haben viele Dimensionen. Als besonders wirksam gelten z.B. das Aufzeigen von Karriere- und Entwicklungsperspektiven, die Veränderung von Arbeitsinhalten, Anerkennung, Wertschätzung, ein regelmäßiger persönlicher Austausch mit dem / der Vorgesetzten, eine harmonische Arbeitsatmosphäre, flexible Arbeitszeitgestaltung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mobiles Arbeiten oder Gleichbehandlung.

Zu beachten gilt es dabei, dass Zufriedenheit eine subjektive Empfindung ist und daher für jeden individuell von anderen Faktoren abhängt. Daher empfiehlt es sich, eine Mischung aus generellen Angeboten und individuell anpassbaren Maßnahmen zu finden.

Krisenzeiten bergen ein besonderes Potenzial für Unternehmen. Nach dem Motto „Wir halten zusammen –auch in schlechten Zeiten“ kommt aktuell getroffenen Maßnahmen zur Unterstützung der Mitarbeiter, z.B. Inflationsausgleich, ein besonderer Wert zu.

Um die Mitarbeiterzufriedenheit im eigenen Unternehmen zu prüfen und sich Anregungen für möglichst effektive Maßnahmen zu holen, empfiehlt sich ein regelmäßiger Austausch zwischen Führungskraft und Mitarbeiter oder es können z.B. anonyme Mitarbeiterbefragungen durchgeführt werden.

Vermeiden von Frühfluktuation

Die sog. Frühfluktuation in der Probezeit spielt im Kontext der Mitarbeiterbindung eine besondere Rolle. Eine gerade erst besetzte Stelle gleich wieder neu besetzen zu müssen, erhöht den Recruiting-Aufwand und damit auch die Kosten enorm.

Dies können Unternehmen am besten durch einen strukturierten Onboarding-Prozess vermeiden, der Mitarbeiter fachlich einführt, aber auch wichtige Faktoren der Unternehmenskultur vermittelt. Der Prozess kann durch regelmäßigen Austausch im Team und mit der Führungskraft, aber auch durch begleitende Schulungs- und Informationsangebote unterstützt werden.

Fluktuationsrate in Deutschland

In Deutschland bleibt die Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt im Zeitverlauf nahezu konstant und zeigt lediglich in wirtschaftlichen Krisenzeiten leichte Abweichungen. Bessert sich die konjunkturelle Lage, nimmt die Nachfrage nach Arbeitskräften zu und es werden mehr Stellen ausgeschrieben. Dadurch steigen die Chancen für einen Jobwechsel. Zudem entstehen Personalwechsel auf dem deutschen Arbeitsmarktmaßgeblich aus arbeitnehmerseitigen Kündigungen. Die bestandsneutrale Umschlagrate (exkl. Arbeitsmarktbewegungen aus Verrentungen und Berufseinsteigern) auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewegte sich zwischen 2007 und 2021 zwischen einem Maximum von 32,7% in 2019 und 29,5% im Krisenjahr 2020 (Institut der Deutschen Wirtschaft 2022). Folglich ist eine hohe Fluktuation auf Betriebsebene – zumindest in Deutschland - häufig auf eine geringe Mitarbeiterbindung zurückzuführen. Dies betont die Wichtigkeit des Themas in einem Arbeitsmarkt, der gleichzeitig einen Rückgang an verfügbaren Arbeitskräften verzeichnet.